Brautkleid – Ein Besuch im Brautmodengeschäft und die Frage des richtigen Oberteils

-Beitrag enthält unbezahlte Werbung wegen Bezugsquellennennung-

Hallo zusammen,

bevor ich zum eigentlichen Beitragsthema von heute komme, möchte ich mir erstmal was von der Seele schreiben:

Ein Besuch im Brautmodengeschäft

Vergangenes Wochenende war ich mit einer Freundin in einem Brautmodengeschäft. Ich wollte „just for fun“ ein paar Kleider anziehen, schauen wie sie verarbeitet sind, mir Anregungen und Inspirationen holen. Vielleicht gibt es ja noch was interessantes zu sehen. Also einfach die Gelegenheit und den Anlass nutzen, Kleider anzuprobieren, die ich sonst nicht anprobiere. Möglicherweise erinnern sich die ein oder anderen LeserInnen daran, dass ein Grund, weshalb ich mir kein Kleid in einem Geschäft kaufen wollte unter anderem die Angst vor aufdringlichem Verkäuferinnenverhalten war. Aus diesem Grund waren wir in einem Geschäft, dass damit wirbt (!), dass die Braut hier alleine schauen, sich die Kleider nehmen und anprobieren kann. Dass Versprechen und Wirklichkeit manchmal leicht voneinander abweichen können wird wohl jeder schon mal erfahren haben…

IMG_2082
Ein Foto aus dem Familienpark im Sottrum

Sichtweisen einer Verkäuferin

Kaum waren wir im Geschäft, kam die Verkäuferin auf uns zu, was zunächst nett und von einer aufmerksamen Verkäuferin zu erwarten ist. Sie fragte nach der Größe, meinen Kleiderwünschen, der Art der Hochzeit und zeigte uns den Stand mit den Kleidern. Mit der Aussage, dass ich erstmal schauen möchte und noch keine genauen Vorstellungen vom Kleid habe versuchte ich sie abzuwimmeln, was zunächst auch klappte. (Jedoch frage ich mich immer noch was die Form der Hochzeit, standesamtlich od. kirchlich mit meinen Kleiderwünschen zu tun hat?) Minutenweise kam sie zurück, um mir dieselbige Frage erneut und erneut zu stellen, die ich wiederum mit der selbigen Antwort begegnete. Ich wollte schließlich nicht unhöflich sein, auch wenn ich sie da schon recht aufdringlich empfand. Wenige Minuten später hatten meine Freundin und ich zwei Kleider gefunden, die wir anprobieren wollten. In der Umkleide probierte ich sie mit ihrer Hilfe an. Mit der ungeduldigen Stimme der vor der Umkleide wartenden Verkäuferin, ob sie nicht bei der Anprobe helfen könne. Ein weiteres nein, ich hatte doch schon eine Helferin wenn ich sie brauchte, hielt sie dennoch nicht ab, vor der Kabine stehen zu bleiben. Kleid angehabt und damit raus vor dem Spiegel gegangen. Ohne zu fragen zuppelte die Verkäuferin nun an mir und dem Kleid herum. Gefiel und passte nicht. Auf dem Weg in die Umkleide fragte mich die Verkäuferin, ob sie mir helfen solle, das Kleid auszuziehen. Da ich das Kleid alleine an bekam, sagte ich ihr, dass sie das nicht müsse. Zu spät. In diesem Moment zog sie schon vor allen anderen Kunden den Reißverschluss auf, sodass mein ganzer Rückenbereich inklusive BH und Unterhosenansatz vor den Kunden zu sehen war. Und es waren auch Männer in diesem Geschäft, die das sahen. Ahhh! Innerlich kurz vorm platzen versuchte ich meine Fassungslosigkeit über diese Unverschämtheit in Zaum zu halten. Ich fühlte mich wirklich erniedrigt in diesem Moment. Meine Freundin war auch so geschockt, dass sie sprachlos wurde, was bei ihr was heißen will. Das dritte Brautkleid, saß am Oberteil viel
fullsizeoutput_21eezu eng. Nicht jedoch für die Verkäuferin, diese zog das Kleid oben noch enger zu. Ich schon nach Luft japsend, sagte ihr, dass das Kleid viel zu eng ist und ich da drin kaum atmen kann. Ihre Antwort: Das ist ein Kleid und kein T-Shirt, das muss so sitzen. Also wenn die Verkäuferin meint, mir zu sagen, dass ein Kleid erst dann ein Kleid ist, wenn man keine Luft mehr darin bekommt, dann weiß ich wer von uns eine Vollmeise hat. In welchem Jahrhundert sind wir denn? Das letzte Kleid was ich dann schließlich anprobierte war eines im Vokuhila Stil. Hierzu wollte die Verkäuferin, dass ich Schuhe anziehe. Leider waren diese Schuhe zu klein. Auch das teilte ich der Verkäuferin mit, die fortan nicht mehr von unserer Seite wich. Ihre Antwort wurde tatsächlich schon etwas pampig und meinte, dass ich doch erstmal richtig in den Schuh reinschlüpfen müsse und sie dann auch nicht mehr zu eng seien. Sagt mir, wie macht ihr das mit dem in den Schuh richtig reinschlüpfen, wenn da doch aber gar kein Platz mehr im Schuh zum reinschlüpfen ist?!

In diesem Moment war mir klar, das ist nicht meine Welt. Zum Glück nähe ich. Deshalb nähe ich. Weil ich mich nicht zur Sklavin der Modeindustrie und den Konfektionsgrößen machen lassen will. Weil ich mir nicht einreden lassen will, dass ich und mein Körper falsch sind, nur weil ich in dieses eine Kleidungsstück nicht passe! Weil ich Kleidung tragen will, die gut aussieht und trotzdem (zu) mir passt. Weil ich mich in meiner Kleidung wohlfühlen will. Und das gilt auch oder insbesondere für ein Brautkleid. Ich muss wirklich sagen, die Verkäuferin tut mir Leid. Sie tut mir Leid, weil sie diese verschobene Einstellung und Denkweise von Frauen und ihrem Körper hat. Soviel zur Verkäuferin.

Qualität hat seinen Preis (?)

Nun zu dem Punkt, ich hole mir Inspirationen und schaue wie die Kleider so verarbeitet sind. Zunächst, der Preis für ein Kleid fing kaum unter 800 Euro an. Das durchschnittliche Kleid lag bei 1200-1500 Euro. Die Stoffe, einer billiger als der andere. Ich habe noch nie einen so kratzigen Taft oder sich steif anfühlenden, folienartigen Satin gefühlt. Da ist jeder Probesatin für 3 Euro pro Meter, den ich bisher betrachtet oder verarbeitet habe von besserer Qualität gewesen. Die Verarbeitung und das sage ich als Nähanfängerin, ist schlecht gewesen. So unsaubere Nähte von innen wie auch außen am Kleid. Das gleicht tatsächlich meinen Nähanfängen von vor einem 3/4 Jahr. Nur, dass hier die Bräute unglaublich viel Geld für diese schlechte Qualität zahlen. Ein Kleid mit dem Oberteil wie beim Vogue bridal original V2842 Schnitt habe ich im übrigen im gesamten Geschäft nicht gefunden und konnte es somit auch nicht im fertigen Zustand testen. Ein Flop auf ganzer Linie. An dieser Stelle kann ich mich nur wiederholen und sagen, ich bin so froh mein Kleid selber zu nähen: Ich habe keinen Stress beim Anprobieren und Kaufen, es ist günstiger, das Nähen macht Spaß, das Ergebnis ist individuell auf meine Wünsche angepasst, es ist persönlich, der Stoff entspricht meinen Vorstellungen und ich habe die wirkliche Wahl. In dieser Hinsicht war der Besuch im Brautmodengeschäft gut. Er hat mich darin bestätigt selbst zu nähen und zudem auch noch die Angst vorm Scheitern genommen. Denn egal, wie mein Kleid am Ende wird, es ist allemal besser verarbeitet als die von der Stange.

Danke an alle tapferen LeserInnen, die bis hierher durchgehalten haben. Und nun zu dem Thema, das eigentlicher Gegenstand dieses Beitrags werden sollte.

Die Wahl des Oberteils

Nun fand ich das Oberteil mit der Passe vom Mc’Calls M7124 wider erwarten richtig gut. Denn an für sich bin ich nicht der Fan von hoch geschlossenen Ausschnitten und schon garnicht an mir. Daher fand ich auch das Oberteil vom Vogue bridal original V2842 unglaublich passend für mich.

Vogue bridal original V2842

Aus diesem Grund habe ich das Laibchen nun noch einmal grob genäht, um abwägen zu können, welches mir besser gefällt. Die Wahl fällt eindeutig zum Oberteil vom Vogue Schnitt. Ich fühle mich darin so viel wohler und auch hübscher. Zudem hat es Ärmel, was ich persönlich bevorzuge. Dennoch ist es zugleich in Sachen Passformänderungen herausfordernder als die Passe vom Mc’Calls Schnittmuster. Daher überkam mich kurzzeitig doch ein wenig Torschlusspanik. Aber wir erinnern uns an die Kleider im Brautmodengeschäft und schon ist die Angst fast wie weggeblasen. Zudem passt dieses Vorhaben so perfekt zu dem Stoff, den ich mir im Februar/März im örtlichen Stoffgeschäft angeschaut und in den ich mich sofort verliebt habe. Ich hoffe sie haben ihn noch… Drückt mir die Daumen!

img_2155.jpg

Schnittmusterwahl

Die Entscheidung ist getroffen. Somit stehen die Schnittmusterteile für mein Brautkleid fest und es gibt eine glückliche Sarah. Zusammengefasst sind es Rock und Laibchenteile vom Mc’Calls M7124 Schnittmuster. Die Passe fällt raus. Dafür passe ich das Überlaibchen vom Vogue bridal original V2842 an die Laibchenteile vom Mc’Calls Schnitt an. Das Einzige worüber ich noch grübel ist ob ich das Taillenband weglasse oder den Spitzenstoff einfach über das Taillenband hinaus verlängere… Was meint ihr?

Alles Liebe und einen schönen Feiertag wünscht euch
eure Sarah!

Timeline: 

Donnerstag, 08.03.: Einleitung der Beitragsreihe 
Donnerstag, 15.03.: Erste Vorstellungen, Erwartungen an das Kleid
Donnerstag, 22.03.: Schnittmuster-Vorstellung I
Donnerstag, 29.03.: Schnittmuster-Vorstellung II
Donnerstag, 05.04.: Schnittmuster-Vorstellung III und Probestoffe
Donnerstag, 12.04.: Probeteil Vogue bridal original V2788
Donnerstag, 19.04.: Brautkleid – Mc’Calls M7124 I
Donnerstag, 26.04.: Brautkleid – Mc’Calls M7124 II
Donnerstag, 03.05.: Brautkleid – Gedankenwirrwarr
Donnerstag, 10.05.: Entscheidung der Schnittmusterteile
Donnerstag, 17.05.: Stoffwahl
Donnerstag, 24.05.: Änderungen der Schnittmusterteile
Donnerstag, 31.05.: Probeteil
Donnerstag, 07.06.: Änderungen
Donnerstag, 14.06.: Fortschritt/Zwischenstand, Probeteil
Donnerstag, 21.06.: Fortschritt/Zwischenstand, letzte Änderungen
Donnerstag, 28.06.: Endspurt, letzter Zwischenstand
Donnerstag, 05.07.: Präsentation des fertigen Brautkleides 🙂
Donnerstag, 09.08.: Fotos von der Trauung

4 Antworten auf „Brautkleid – Ein Besuch im Brautmodengeschäft und die Frage des richtigen Oberteils

  1. Das Kleid, das Du Dir nähen willst, ist wunderschön. Ich habe mein Brautkleid auch selber genäht, und ein Modell aus einer Brautzeitschrift kopiert aus einem fließenden Microfaserstoff. Ich habe jetzt nur zwei Beiträge gelesen, habe aber zwei Tipps für Dich: Das Taillenband brauchst Du unbedingt, wenigstens im Unterkleid, denn es hält und verteilt das Gewicht des Rocks, der sonst das leichte Oberteil verformen würde, Und als Einlage empfehle ich Dir eine Gewebeeinlage, entweder die G 785, die ist bielastisch, falls Du einen Stoff mit etwas Stretch hast (sehr zu empfehlen, wenn Du essen , tanzen und atmen willst auf Deiner Hochzeit), oder die G 700. In der aktuellen Burda ist im Anleitungsteil mal wieder eine Tabelle mit den Einlagearten drin.
    Viele Grüße und viel Erfolg mit Deinem Brautkleid
    PS: Brautmodengeschäfte scheinen wohl immer ein Alptraum zu sein, allerdings sind die Verkäuferinnen vielleicht angesichts der Preise besonders vorsichtig, weil sie Angst haben, dass eine Frau ein Kleid beschädigen könnte. Es geht ja nicht jede mit ungekaufter Kleidung so sorgfältig um.

    Gefällt mir

    1. Dankeschön :) Ich bin ganz gespannt wie das alles klappen wird und ob ich das mit den Anpassungen alles so hinkriege. Aber da ziehe ich meinen Hut vor dir, dass du das Schnittmuster dir selbst nach Bildvorlage gezeichnet hast. Das würde ich mich nicht trauen. Wahrscheinlich fehlt mir da aber auch einfach die Erfahrung. Danke auch für den Tipp mit dem Taillenband. Daran habe ich garnicht gedacht. Aber du hast recht. Ich kann mir vorstellen, dass sich dann die Rockteile verziehen werden. Vliesline habe ich mir zum einen eine H180, eine G700 und auch eine elastische bestellt. Ich habe vorher ein bisschen gegoogelt und bin da auf unterschiedliche Empfehlungen gestoßen. In die Burda werde ich mal reinschauen. So eine Übersichtstabelle ist natürlich super und immer gut zu gebrauchen 😊
      Vermutlich hast du Recht, dass die Verkäuferinnen darauf achten, dass die Kleider nicht kaputt gemacht werden. Bei einigen kommt man ohne Unterstützung ja auch wirklich nicht oder nur schlecht rein. Doch mir das Kleid vor den Kunden vor der Kabine aufzuziehen, da war die Grenze bei mir schon überschritten. Nun ja, ich habe meinen Weg gefunden und da bin ich auch froh drüber. Ich finde es nur so schade. Ein Erlebnis wie das Brautkleid kaufen sollte schon mit schöneren Gefühlen verbunden sein und nicht wie ein Alptraum empfunden werden.
      Liebe Grüße

      Gefällt mir

      1. Das mit der RV-aufziehenden Verkäuferin stimmt, so etwas geht gar nicht. Wenn die wollen, dass sie beim anprobieren dabei sein können, müssen sie Umkleide-Boudoirs haben, wo mehrere Leute hineinpassen, so etwas habe ich mal in England gesehen.
        Mein Kleid habe ich übrigens nicht selber gezeichnet, ich habe einfach einen Schnitt genommen, der ähnlich war und dann nur noch kleine Abwandelungen gemacht. Das war für meinen Anspruch kompliziert genug :) !

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.