Verschwendung, Müll, Aufräumserien

-enthält unbeauftragte, unbezahlte Werbung wegen Bezugsquellennennung-

Hallo ihr Lieben,

nach dem vielen Marie Kondo-Bashing auf Twitter möchte ich doch auch mal meinen Senf zu den Aufräumsendungen geben. Diese teilweisen unreflektierten Bemerkungen machen mich echt unentspannt. Ich finde es sollte mal sowas wie ein Social Media Führerschein eingeführt werden über die grundsätzlichen menschlichen Verhaltensregeln in sozialen Netzwerken. Das aber nur am Rande, denn eigentlich startete dieser Blogeintrag als Kommentar zum Beitrag „Wirf weg, was nicht Joy sparkt“ von Patricia auf dem Blog das nuf, der allerdings etwas ausartete und nun so endete.

Aufräumen und die Wegwerf-Gesellschaft

Ich habe sowohl die Sendung „Aufräumen“ von Marie Kondo als auch „Consumed“ geguckt. Beides aus Interesse, weniger aus hype. Grundsätzlich finde ich es kritisch, wenn Aufräumsendungen das Wegwerfen legitimieren, wie es den Serien vorgeworfen wird. Ich bin da auch für upcyclen und reparieren oder eben spenden wo es geht, bevor alles einfach weggeschmissen wird. Den Gedanken auf Recht zur Reperatur finde ich da sehr zeitgemäß, denn insgesamt glaube ich schon daran, dass eine problematische Entwicklung zur Wegwerfgesellschaft stattgefunden hat. Allerdings sieht man auch in beiden Sendungen diese Spendehaufen. Das ist doch schon mal besser als wegwerfen und zum Teil nicht gerade wenig, was da an andere Menschen weitergegeben wird. Es wird immerhin nicht alles verschwenderisch auf den globalen Müllhaufen geworfen, zudem der Zuschauer garnicht sieht, was in der Mülltüte landet. Könnte also tatsächlich kaputtes sein. Das finde ich, sollte gesehen werden. Aus diesem Grund, kann ich diesen Vorwurf nicht ganz nachvollziehen. Auch kann ich mir vorstellen, dass in einem Haushalt, in dem derart viel Zeug herumliegt einiges kaputt geht oder verschleißt, sodass es selbst bei der Spende nicht mehr vermittelbar wäre. Solche Gegenstände habe selbst ich zu Hause, obwohl ich grundsätzlich pfleglich mit meinen Sachen umgehe und nicht über Türme am Boden laufe.

Zum Thema spark joy: Es liegt doch der Gedanke zugrunde, dass nur das in der Wohnung sein sollte was einen selbst bereichert, einem ein schönes Gefühl vermittelt. Damit soll sich die Familie in ihrem Haus wieder wohlfühlen und Energie tanken können, das geht nunmal nicht wenn viele Dinge um einen herum sind, die einen stören, wenn auch unbewusst. Deshalb finde ich den Gedanken grundsätzlich erstmal gut, sich zu fragen, ob es einem überhaupt Freude bereitet, was ich da herumliegen habe. Es ist nicht zu erwarten, dass sich bei jedem Kauf die Frage gestellt wurde, ob es einen wirklich bereichert. Wer das macht, ist lobenswert, doch sollte nicht von sich selbst auf Andere schließen. Ich nehme es in der Serie nicht so wahr, dass die Gegenstände die nach dem Prinzip spark joy aussortiert werden, grundsätzlich weggeworfen werden, sondern eben lediglich aus dem Haushalt verbannt werden (z.B. in Form von Spenden, s.o.). Einige  von euch wissen, ich bin auch gerade dabei bei mir auszusortieren (schon vor den Serien) und es ist erstaunlich wie viel man hat, ohne dass es einem (noch) gefällt. Das kann daran liegen, weil man es geschenkt bekommen hat oder weil man mit der Zeit nicht mehr gefallen daran findet, z.B. sich an Deko sattgesehen hat, sich der Geschmack verändert hat, weil ein Mensch sich ändert oder Dinge schlichtweg ein Fehlkauf waren. Ich finde die Kritiker entgegnen den Familien häufig mit enormen Unverständnis. Da finde ich sollte einen Gang zurückgeschaltet werden. Oft ist es bei einem selber nämlich garnicht so anders, nur hat man noch nicht die Augen dafür geöffnet oder ist der Meinung, da man selbst nicht so viel hat, trifft es auf einen nicht zu. Wir Menschen neigen leider oft dazu, andere als Maßstab für sich selbst zu sehen und nicht sich selbst als Maßstab zu nehmen. Es sind bekanntlich die eigenen Dinge, die einen an anderen stören. Die Erkenntnis kam bei mir selbst:

Ich möchte sagen, auch wenn ich im Moment viel zum Aufräumen finde, was daran liegt, dass ich eher in Richtung eines minimaleren Lebensstils strebe, habe ich im Vergleich zum Durchschnitt einen sehr kleinen Haushalt. Ich habe schon lange versucht erst garnicht viel anzuhäufen. Auch mit den Familien in den Serien kann ich mich konsum- und einrichtungsmäßig wahrscheinlich bei Weitem nicht messen. Hätte von außen betrachtet also wahrscheinlich wenig Gründe derart zu reduzieren, wie ich es gerade tue. Trotzdem bin ich unzufrieden, fühle mich nicht wohl und ich denke das ist auch das Gefühl, was bei den betroffenen Familien in den Serien der Fall ist, nur dass es sich bei denen häufig auch auf das Beziehungs- und Familienleben auswirkt. Sollen diese Familien also weiterhin mit diesem Gefühl leben, damit sie keinen Müll beim Aufräumen provozieren? Was wollen die Kritiker? Ist es nicht lobenswert, dass die Familien erkannt haben, dass sie ein Problem haben und daran arbeiten wollen? Vielleicht ist hier wie in vielen Dingen einfach etwas Empathievermögen benötigt um das nachzuvollziehen. Meine Devise: Urteile über niemanden ehe du nicht in seiner Situation warst.

„CamPatri“ für alle!

Patricia von das nuf beschreibt etwas selbstironisch, dass man doch einfach nicht so viel kaufen soll und sie ein neues Aufräumkonzept namens „CamPatri“ auf den Markt bringen würde; die Methode des Nichtkaufens, wie sie es nennt. Könnte ein wundervoller Einkaufsguide werden, um Menschen präventiv vor dem Kaufrausch zu bewahren. Oder auch als Tertiärprävention, damit es den Familien hinterher nicht wieder so geht wie vorher. Auch hier stimme ich ihr zu, wenn sie sagt, dass die eigentlichen Probleme des Konsums nach dem Aufräumen nicht aus dem Weg geschafft sind. Das ist vielleicht etwas, was der Serie von Marie Kondo fehlt in Gegensatz zu Consumed. Bei Consumed wird immerhin versucht, mit den Familien aufzuarbeiten, wie es dazu kommen konnte und was mit dem Kaufen kompensiert werden sollte. Das findet bei Marie Kondo leider keinen Platz. Ob sie es in ihren Büchern aufgreift, weiß ich nicht. Doch mit der Nichtkaufen-Methode zu sagen, einfach mal nichts kaufen, wenn das Problem zu Hause schon Berge angenommen hat finde ich eben auch zu plump. Gerade weil bei vielen Menschen mehr hinter dem Kaufproblem steckt, brauchen sie möglicherweise diesen Neustart, um sich neu mit sich selbst auseinandersetzen zu können. Eine Erkenntnis, die bei Consumed im übrigen umgesetzt wird, indem sich die Familien für zwei Wochen von allem bis auf Kleidung und 10 unnötiger Gegenstände trennen sollen und sich selbst überlassen werden.

Zudem möchte sich doch jeder zu Hause wohlfühlen können, oder nicht? Erst so kann ja auch verhindert werden, dass die Familien über die nächsten Jahre hinweg weiter Müll produzieren und ich glaube genau darauf will Marie Kondo aus: Die Menschen darin bestärken, in dem was sie geschafft haben. Ihnen zeigen, dass es gut ist, dass sie an sich gearbeitet haben und die Eigenmotivation zum Erhalt der neuen Situation dadurch fördern. Was bei Consumed also über Problemlösung funktionieren soll, soll bei Marie Kondo über intrinsische Motivation langfristig umgesetzt werden können. Was am Ende funktioniert ist mit Sicherheit typabhängig und nicht verallgemeinerbar.

Mein Fazit

Natürlich entsteht der Müll beim Aufräumen und das ist auch viel. Ich will nicht sagen, dass man sich nicht die Gedanken in ökologischer Sicht machen sollte. Doch aufgewogen zu dem was vielleicht noch dazu kommen würde, wenn besagte Familien ihren Lebensstil so fortsetzen, ist es vielleicht das kleinere Übel. Wenn man lebt, muss man damit rechnen, dass man Schaden anrichtet, die Kunst ist es also so wenig Schaden wie möglich zu verursachen. Ich glaube einen Neuanfang, den und nichts anderes bieten diese Serien und geben dabei anderen die von zu Hause aus zuschauen die gleichen Anreize. Wenn es diesen Menschen hilft zufriedener zu sein und der Welt müll- und konsumtechnisch auf lange Sicht gesehen auch, warum also nicht. Ist doch gut wenn sie anfangen über sich selbst nachzudenken. Auch die kleinen Schritte sollten dabei zählen. Wer meint, dass er das nicht braucht oder sich meint darüber lustig machen zu müssen, soll es doch einfach nicht schauen (Das war jetzt absichtlich ebenso plump).

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